Meine Gedichte
Los Angeles
Mich rühren Zypressen im Schatten.
Orangen an Straßen im Licht.
Wie scheinen die Bäume ermatten.
Wie küsst doch der Winde Gesicht.
Granaten in Gärten und Straßen.
Die Blätter, sie wiegen im Schein.
Der Abend, er will mir verblassen.
Ich lass‘ doch das Herze allein.
Und mitten den sämtlichen Farben.
Wie führen mich Wege dahin.
Oliven und Trauben, die darben.
Verleiten dem Leben den Sinn.
Und zwischen den Morgen und Reigen.
Verneigt sich gebietlich die Nacht.
Dort scheinen die Berge zu schweigen.
Welch‘ Schönheit, sie wurde erdacht.
22.07.2024
Granada Hills; Los Angeles
© Marc Donis
Las Vegas
Mich trieben Casinos in Weiten.
Hotels und die Straßen, so tief.
Die Leute, sie meiner begleiten.
Sodass sich mein Herze verlief.
Inmitten dem rastlosen Drängen.
Verneigten sich Augen wohl mild.
Inmitten den zahlreichen Klängen.
Da ragt doch Las Vegas‘ Gebild.
Und zwischen ermäßigten Winden.
Die Wüste, sie lag wie im Traum.
Inmitten der Menschen wir finden.
Die Hoffnung in Hitze im Saum.
Mir trieben die Märkte und Stätten.
Und alles, was meiner gehört.
Die Wässer in Brunnen, die netten.
Wie meiner das alles nicht stört.
Wie mag ich dem allen verneigen.
Das Herze, es schlug in den Sand.
Der Nebel, er mochte verschweigen.
Wie ruht doch versterbend das Land.
Und mitten den sterblichen Lasten.
Da wurd‘ doch das alles gestillt.
Im Schatten die Leben verblassten.
Und ragte Las Vegas‘ Gebild.
23.07.2024
Las Vegas; Nevada
© Marc Donis
Über Island
Wie glänzen die Wolken im Äther.
So weiß und in förmlicher Mild.
Verneigen und tanzen sie später.
Wie selig erscheint das Gebild.
Wie schimmern die lieblichen Tiefen.
Das Meere vor Island – So bleu.
So ist das der Ort, wir entschliefen?
Ich bleib‘ wohl der Liebe recht treu.
Wie säumen die Wolken, die tausend.
Verlieren sich Schritte im Schnee.
Die Wolken, sie drängen recht brausend.
Wie ruht in der Tiefe der See.
Und scheinen die Berge entweichen.
Wie friedvoll verdrängt mir mein Herz.
Mein Engel, ich weiß, es wird reichen.
– Vergaß ich hier ewigen Schmerz.
21.07.2024
Während des Fluges von Frankfurt nach L.A.
über Island (bei Patreksfjörður) geschrieben.
© Marc Donis
An uns
Stell‘ dir vor, es liegt samt Armen.
Über uns, da hängt die Nacht.
Hat die Stunde wohl Erbarmen.
Hat sie Blumen mitgebracht.
Glänzen Flüsse in der Frühe.
Wie betucht mich dieses Land.
Wenn die Liebe mir verblühe.
Bleibt der Engel, den ich fand.
Mag ich ewig deiner bleiben.
Lass‘ uns sitzen auf dem Steg.
Während Wellen sachte treiben.
Küsst das Herze mich so träg‘.
Liegt sie mir in meinen Händen.
Dass sie mir so leise haucht.
„Mag die Liebe niemals enden.“
Da sie mich für immer braucht.
06.08.2024
Berlin-Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Magdeburg
Ich glaube, ich lauf‘ in Gesichter.
Auch wenn mich doch keiner vernimmt.
Ich bleibe ein Fremder. Doch Dichter.
Und denke, ich bleib‘ hier bestimmt.
Ich glaube, ich lauf‘ in Gesichter.
Und lauf‘ ich vielleicht nur verwegt.
Und sehe vielleicht nur die Lichter.
Wie hat sich der Herbst mir verlegt.
Ich glaube, ich laufe bloß schlichter.
Und lasse nur Spuren im Sand.
Mich sahen die Augen – Gesichter.
Und hat mich doch keiner gekannt.
24.10.2024
Magdeburg; Sachsen-Anhalt
© Marc Donis
Bad Mitterndorf
Umspannen die Berge die Bögen.
Umsäumen gar dieses Gebild.
Auch wenn die Wolken mir mögen.
Umschlingen sie diese auch mild.
Und bilden sie lieblichen Äther.
Und alles versinkt mir zurecht.
Zerbrechen dann diese wohl später.
Obwohl sie der Abend nur schwächt.
19.08.2024
Bad Mitterndorf
© Marc Donis
Der Vřídlo
Er springt nun mit Scheue
und dröhnt wie zwei Leue,
aus Tiefen er springt
und tosend so klingt,
dann kommt es zumal,
zu seinigem Fall,
dann fällt auch der Geiser,
und klingt dann so leiser,
fällt nieder bedingt,
bis der Strahle verklingt,
ganz ohne den Schrecken,
mag er sich verstecken,
dann will er sich blicken,
um den Strahle schicken.
Erwacht er dann wieder
und spuckt er dann nieder,
sein Sprudelgefieder,
so bricht auch der Strahle,
zum tausendsten Male,
und tut er’s erpicht,
in Höhe er sticht,
bis er dann auch fällt,
auf diesige Welt,
auf tschechische Erden,
mit seinen Gebärden
wobei er nicht scheut,
tut er‘s erneut,
ohne ein Stecken,
das Biest mag erwecken,
so springt er im Schimmer
und tut das für immer...
01.04.2024
Karlovy Vary; Karlsbad; Tschechien
© Marc Donis
Kurfürstendammkind
Mein Handy vibriert. Ich stehe am Gleise.
Wohin hat mich bloß die Nachte geführt?
Die Bläue im Himmel wie Augenringkreise.
Die Kälte, sie hat mein Herze geschnürt.
Die Zeiten sind mir gewisslich verschlossen.
Und irgendwie alles, erscheint mir doch fremd.
Es gleicht als hätt‘ man hier Tinte vergossen.
Auf das bleichwerdende Stadtpergament.
Mein Handy vibriert. Die Stunde zieht Bögen.
Von Nachte zum Tage, draus der August.
Und irgendwie alles, Fassaden, die mögen.
Die mögen still glänzen. Im Neon bewusst.
Die Straßen verschlafen die tausende Lichter.
Die Menschen. Die Scharen. Iriden zumal.
Ich laufe verwegt. Die fremden Gesichter.
Durch Züge der Kriege erscheinen sie fahl.
Immer bedrängter erscheint mir der Glauben.
Ein Bettler erbettelt sich Flaschen betucht.
Er sucht nach dem Essen und Gelde, wie Tauben.
Während sein Freunde ihn einfach verflucht.
Nun laufe ich weiter. Berlin ein Vermächtnis.
Der Ku’damm, er gleicht dem ewigen Sieb.
Inmitten der Menschen ein Kirchengedächtnis.
Die Kirche des Wilhelms, die uns nun verbleib.
So gibt es auch Orte, in welchen ich trüge.
Und gibt es den Orte, der niemals hier ruht.
Im ewigen Schleier der Menschengenüge.
Versinkt jede Sonne im schwärzlichen Sud.
Wie sind auch entwichen die Erdenbezüge?
Während ein Kinde aus Hunger was stehlt.
Gibt es hier Menschen wie Sande genüge.
Und doch weiß ich, die Menschlichkeit fehlt.
16.08.2024
Berlin-Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Deutschland
Wie bist du mir gesund gesunken?
Wer kennt dich nur, du wertes Glück.
In mir bist du noch nicht ertrunken.
Wie sehr ich wünsch‘ mir dich zurück.
Ich wünsch‘ das Wehen deiner Fahnen.
Das Schwarze steht für liebste Nacht.
Ich schätze dich, das Land der Ahnen.
Wie lang hab‘ ich dir wohl gedacht?
Das Rot bekräftigt Mut und Willen.
Es ist das Blut, das auch zerfloss.
Den Drange kann ich nicht erstillen.
Der Tag vertreibt des Nachte Ross.
Und mitten Wäldern samt bekleidet.
Erhebt sich Gold als Zeichen, wahr.
Es steht für Morgen, welcher weidet.
Das ist das Deutschland, ich ersah.
Wie liegst du mir gesund zu Füßen.
Es lebe Deutschland! Das verschlug.
Wie magst du meine Mutter grüßen.
Auch meinen Vater, der mich trug.
Ich seh‘ im morgen deine Flammen.
Mein Mädchen grüße ich erpicht.
Ich mag die Liebe nicht verdammen.
So fürchte dich, oh, Liebes, nicht.
Und wer dich hat noch nie verloren.
Der hat die Heimat nie gekannt.
Erscheint es wohl vielleicht verworren.
Es lebt ihn mir das Deutsche Land.
Mich treiben versterbende Nächte.
Durchdringen auch diese mein Haupt.
Es ist wohl die Schwäche, die dächte.
Sie hat, dass ich sterbe, geglaubt.
Wie treiben mich eisige Stunden.
Und trotzdem versehrt mich der Tag.
Das Leide und die Liebe gefunden.
Umsäumt mich das Leben recht vag.
Mich treiben vernichtete Weisen.
Ich suche in Schatten den Ort.
Ich suche die Orte, die leisen.
So sterb‘ ich gewisslich nun dort.
Mich treiben verbrannte Geerden.
Auch alles, was meiner verband.
Die Menschen mit ihren Gebärden.
Wie such‘ ich das heilige Land.
Mich treiben die Felder und Nelken.
Der Farben und Düfte Gebot.
Die Augen, sie scheinen verwelken.
Wie küsst mich der sündige Tod.
Wie rühren mich ländliche Straßen.
Die Kirchen und Haine im Glanz.
Die Bäume im Nebel verblassen.
Es gleicht einem ‘späteten Tanz.
Wie rühren mich nächtliche Kronen.
Die Kronen der Türme aus Gold.
Die Kreuze der Kirchen, Ikonen.
Verschlagen das Leben mir hold.
Die Blätter im Winde mich legen.
Auf Stufen, da liegt noch das Laub.
Es mag mich so wahrlich verwegen.
Die Asche zur Asche und Staub.
Mich rühren die bläulichen Flüsse.
Und Küsten und Felsen und Reet.
Zerfallen die Engel durch Küsse.
Die treiben mein Herze recht spät.
Mich rühren die Binsen und Seggen.
Die Dickicht aus Iris und Ried.
Wie scheinen die Stunden verlegen.
Sodass ich sie milde vermied.
Mich treiben die Wässer im Bunde.
Der Kalmus in seinem Gebiet.
Mich rühren die bellenden Hunde.
Die Wälder, die singen das Lied.
Mich rühren die Länder verschieden.
Wie hängen die Blätter die Luft.
Auch wenn mir die Augen vermieden.
So dient mir das Lande als Gruft.
25.07.2024
Granada Hills, Los Angeles
© Marc Donis
Der Slawentumlehrling
"Ich kann zwar über das Slawentum schreiben, aber ich werde nie der Lage sein, die slawische Schönheit vollständig einzufangen und als einziges Gedicht zu verschriftlichen und wenn doch, dann war das nie meine Absicht."
Der Slawentumlehrling
Des Prologs erster Teil
Dieses Gedicht ist Ronja gewidmet
I
So lag auch nun Potsdam. Durch Herbste verwundet.
Der Sommer, er schlich. Bis schließlich er flog.
Und hatt‘ er zwar Welten. – Recht Städte umrundet.
So kam auch die Kälte. – Die Straßen bezog.
Die Winde, sie wehten. Und Wolken verstarben.
Und brachten sie Blätter. Und Regen. Und Not.
Die Bauern, sie trieben und brachten die Garben.
So roch auch der Abend. Verlockend nach Brot.
Die Himmel. Sie wogen und schienen entrissen.
Das Blau wurde dunkel. Bestrebend zur Nacht.
Und schien auch die Wärme die Tage zu missen.
So wurde die Ernte recht grundlos bedacht.
Die Blumen. Sie hingen. Verwelkt und verdrossen.
Sodass selbst die Erde die Schönheit verbarg.
Die Dahlien standen. Im Bund recht geschlossen.
So lagen die Regen wie Tränen im Park.
Die Eiben. Sie schauten und schauten betroffen.
Und kosteten lieblich die Tropfen des Blaus.
Als wär‘ der Empfang dem Herzen auch offen.
So stand in den Wälder. Recht träge ein Haus.
Es schien auch, als wollten die Weiten beäugen.
Wie sprach auch der Winde die Ortschafte aus.
Die Pappeln und Erlen und Linden. Wie Zeugen.
Wie trieben die Blätter. Und glich dem Applaus.
Die Wälder. Sie schienen. Als wär‘ das ein Bogen.
Und lagen die Gärten der Erden im Grau.
Als wären selbst Nebel. Und Engel verflogen.
So leistete Beistand. Den Welten der Tau.
Und schliefen im Abend. Im Abend die Moore.
Die Heiden. Sie glichen. Im Grunde beengt.
So sangen die Nymphen vielleicht in dem Chore.
Die haben die Menschen im Sumpfe ertränkt.
Als wollten die Lichter des Mondes versengen.
Sodass auch die Nixe den Menschen erkascht.
So lockten die Mädchen die Jungen mit Klängen.
Sodass jedes Herze. Im Leib wie verascht.
Es war, als verginge. Im Herz schlicht die Schulde.
Und war dann auch somit. Das Leben erdacht.
Dann zogen die Nymphen. Die Sucher zur Mulde.
So haben dann diese. – Ins Wasser gebracht.
Sie wollten sie hegen. Und singen und lullen.
Doch wehe nun dem. Der Nixen hier lauscht.
Die Menschen sind Perlen in Potsdamschatullen.
Und wehe auch dem. Der Werte hier tauscht.
Nicht weit von dem Moore. Da steht jenes Hause.
So küsste der Abend. – Die Erde und Trist.
Bezogen die Himmel. Vielleicht eine Pause.
Denn glänzte nun dieser. Wie ein Amethyst.
Bezogen die Felder und schließlich die Haine.
Und hing so am Hause. Der Efeu. Mit Laub.
Durchbohrten die Ranken die rötlichen Steine.
Die trugen den Schmutze. Den Ruße und Staub.
Und stand auch daneben. Verschmutzt die Volière.
Verwittert. Zerbrochen. – Umgrenzte ein Zaun.
So war auch der Anblick. – Das Herzmaginäre.
Das Holz war zerfressen. Im Kerne noch braun.
So saß vor dem Hause. Ein Manne. Ein Vater.
Und nippte am Becher. Was immer das war.
Die Augen. Sie trieben. Besorgt doch privater.
So kam auch die Nachte. Im Grunde recht nah.
Er nippte. Und nippte. Und wollte nichts lassen.
Und saß nun der Alte. Recht bieder und krank.
Die knochigen Finger. Sie schienen umfassen.
Sie krallten und hielten. Den heiligen Trank.
Und waren die Sinne. Bedenklich verschlafen.
So saß er recht träge. Das Herz war erstarrt.
Als wollten die Welten. Den Manne bestrafen.
Ein Zuge der Lippen. Besorglich und hart.
Es regte kein Leben. Im Mann mit Demenze.
Kein Sehen. Und Weilen. Das Herzen bestrebt.
Verflog auch der Sommer. Die Ernte. Der Lenze.
So hatt‘ auch der Alte. – Das Leben verlebt…
Bezog auch kein Lächeln. Den Herzhalbverweinten.
Was ist schon ein Leben? Das man auch nicht lebt?
Selbstständig vergingen. Die Stunden verschneiten.
Sodass auch das Herze. – Sich kläglich erhebt.
So saß nun der Manne. – In Decken verbunden.
Die Leinen und Linnen. Sie wärmten ihn zart.
Der Himmel. Er glänzte. Mit Trügen und Wunden.
Was immer die Menschen vorm Herbste bewahrt.
Der Herbste. Er lag. Auf Feldern. Und Hainen.
Die Stunden. Sie schliefen. Die Kälte gebar.
Die Fichten. Sie neigten. Die Stämme gen Steinen.
Und rannen die Bäche. Die Bäche so klar.
Man konnte so meinen. Dass saß auf den Steinen.
Das Mädchen. Rusalka. Vielleicht an dem Teich.
Und wollten die Wogen gewiss auch verweinen.
So glänzte. Und glänzte der Monde auch bleich.
Und ragte am Strande vielleicht eine Eiche.
Und hing dort die Kette. Aus Golde. So weiß.
Man sagt dort ein Kater. Die Äste bestreiche.
Und liefe am Morgen. Und Abend im Kreis.
So lief er nach rechts. Begannen zwar Lieder.
So schritt er zur Linken. Die Märchen er hat.
So gibt es dort Wunder. Die Wunder mal wieder.
Die Nixen im Flusse. Im Wald auch der Schrat.
So waren die Wege verlassen. Mit Schritten.
Und hat man die Tiere. Bisher nicht gekannt.
Es stand eine Hütte. Im Walde. – Inmitten.
Und drückten die Füßchen die Hütte aufs Land.
So stand diese Hütte. Im Wald ohne Fenster.
Auch fehlte dem Hause gewiss eine Tür.
Im Haine. Da regten und standen Gespenster.
So suchten sie Menschen. Die Frage wofür?
Wie lebten die Geister. In Tälern. Sie hausten.
Von Ufern und Wellen. Sie schäumten wie brach.
Sodass auch die Ritter. Im Glanze verbrausten.
Verließen die Recken. – Die Erden danach.
Entstiegen den Wogen. Und schließlich den Wellen.
Der Ahne der Meere und Fluten. Und Schar.
Die Krieger. Sie zogen. Vielleicht wie Gesellen.
Sodass man auch meinte. Ein Märchen das war.
So lief auch ein Prinze. Gewiss mit dem Schwingen.
Sodass er den König bezwang. Mit Gewähr.
Ein Zauberer wollte. Den Krieger auch bringen.
Ganz über die Länder. – Und auch übers Meer.
Auch weinte ein Mädchen. Gebunden im Kerker.
Ihr diente ein Wolfe. Recht grau. Doch auch treu.
So wurde Kascheij vielleicht auch bloß stärker.
Bewachte sein Herze. – Recht ruhlos ein Leu.
So sah man die Eiche. Am Ufer auch ragen.
Den Kessel der Hexe. Nach Golde er siecht.
Erzählte der Kater. – Vielleicht diese Sagen.
Und, dass auch die Erde. Das Slawische riecht…
Der Vater. Er saß. – Und sah dieses Funkel‘.
Die Schleier der Röte. Sie trieben verwegt.
Bald brachten die Nächte. Gewiss dieses Dunkel.
Das hat sich nicht nur. – Im Herzen gelegt.
Als wären die Sorgen. Bloß feinste Kristalle.
Die sich dann verteilen. Als wäre das Schnee.
Als wären die Welten. Vielleicht das Sakrale.
Und ruhte am Abend. Recht müde der See.
Die Wälder verschliefen. Die Farbe wie Jade.
Die Flüsse und Bäche. – Sie trieben türkis.
Und hing über Potsdam. Vielleicht jene Gnade.
Die wirklich. Am Ende. Die Stadt nie verließ.
Die Straßen und Länder. Sie wollten so träumen.
Die Wolken. Sie lagen. Als wär‘ das ein Tuch.
Die Farben. Burgunder. Rosé. Wollten säumen.
Als wollten sie lindern. – Den Pein. Ein Versuch.
Verlor sich die Havel. – In schlichten Kulissen.
Auch, wenn sie der Nebel inzwischen umarmt.
Die Gluten der Himmel. Die Roten. Zerrissen.
Sodass sie die Kühle. Des Abends erbarmt.
Bezog diese Erde. – Das Trügen. Die Gräue.
So war auch die Stille. Wie Stille so tief.
Verstarben die Herzen. Vielleicht in der Scheue.
Kummer wie Kälte. Die Freude entschlief.
War nun der Orte der Schwärze verfallen.
Welche die Länder. Im Grund wie zerfraß.
Wehte der Winde. Durch Monde und Strahlen.
Küsste der Hauche. Und schwenkte das Gras.
Schwiegen die Straßen. Samt Leere und Brücken.
War das die Nachte. Die kehrte schlicht Heim.
Wollte die Kühle. – Das Herz wie erdrücken.
Riss doch das Treiben die Blätter doch ein.
War das ein Wunder. Gar welches man glaubte.
Schlugen die Glocken dann milde so leis‘.
Hob dann die Taube beim Schlagen das Haupte.
Saß dann die Schöne. Am Fenster. So weiß.
Gurrte und gurrte. Sie schließlich die Laute.
Zog dann die Lunge. Die Kälte auch ein.
Blickte das Täubchen. So schaute und schaute.
Lief sie zum Brunnen. Und trank sie allein.
Stand sie dann zierlich. Ihr Blicke zu Stufen.
Sah sie das Wasser. – Das säuselte hold.
Glich dieses Platschen. Als wär‘ das ein Rufen.
Glommen Laternen. Das Licht spie das Gold.
Das Täubchen erstarrte. Erneut und dann wieder.
Und richtete schließlich die Flügel so auf.
Und küsste der Schnabel die Wässer dann wieder.
So folgten die Augen. Die Müden dem Lauf.
Die Wässer. Sie platschten und tanzten wie Wilde.
Als wären das die Töchter. Und Erlkönigs Kind.
Die Schleier. Sie trieben. Und sprachen in Milde.
„Wie hörst du, du Täubchen. Das Flehen im Wind.“
Der Vogel erstarrte. Und schaut‘ doch verwundert.
„Es braucht dich dein Vater. So dringend geweiht.“
Mit schwärzlichen Augen. Die schauten. Einhundert.
So standen die Geister. Die Töchter. – Gereiht.
„Es braucht dich dein Vater. – Der lebende Tote.
Er scheint zu versterben. Der Ärmste ist krank.
So flieg‘ nun, du Täubchen. Und diene als Bote.
Und bringe dem Manne. – Den letztlichen Dank.“
Das Gurren erstarrte. Und Bronnen, die brausend.
So neigte das Mädchen. Den Kopfe auch stumm.
Erschienen dann weitere Geister. – Die Tausend.
So liefen sie schließlich am Brunnen herum.
Erhob dann ein Ritter. Recht blass seine Lanze.
So ließ er sie kreisen und schwingen. Bei Nacht.
Dann knieten die Damen. Die Töchter. Zum Tanze.
So wurde der Tanze der Toten vollbracht.
Bestiegen die Toten den Platz und die Lagen.
Und tanzten sie Reigen. Nach russischem Brauch.
Man hörte dazu. Die Löffel auch schlagen.
Der Bajan ertönte. Die Gusli dann auch.
Ertönten dann Geigen. Und sämtliche Streicher.
Violen und Bratschen. – Die Suka verklang.
Und spielten sie Noten. Vielleicht dann so weicher.
Sodass dieses Fühlen im Herz auch gelang.
Auch wurde das Spielen und Gleiten recht tönig.
Erstarrte dann plötzlich das Feste. Der Schwof.
Erschien im Gewande. Der Erlen. – Ihr König.
Erstarrte und neigte. Sich schließlich der Hof.
Dann sprach dieser König. Im Grund aus belebend.
„Eröffnet ist somit. Der Tanz und der Ball.“
Die Geister. Sie hörten. Und klatschten erhebend.
Begann dann ein Walzer. Das Dröhnen verhall‘.
So drang durch die Welten das Geisterorchester.
Ein Mädchen umarmte. Den Jungen sodann.
Umarmte und küsste. Und küsste sie fester.
Und suchte ein Weibe vielleicht ihren Mann.
So lachten und tobten im Schatten die Geister.
Und kam dann ein Junge der Taube recht nah.
„So fliege, du Täubchen. Es wartet dein Meister.
So fliege, du Täubchen. Er ist bald nicht da.
Sodass wir mit Liebe den Tanz hier bereiten.
Damit doch sein Sterben. Vielleicht so versüßt.
Wir werden den Greise. Empfänglich begleiten.
Wir werden auch tanzen. Was ihn auch begrüßt.
Wir werden den Manne. Mit Liebe empfangen.
Als wär‘ er ein Bruder. Als wär‘ das. Das Blut.
Wir werden ihn küssen. Und sorgen und bangen.
Er wird dann hier leben. Es geht ihm dann gut.
Wir werden ihn schützen. Und lieben und hüten.
Als wär‘ er das Eigen. Als wär‘ er das Leib.
Wir werden dann singen. Erzählen wir Mythen.
So fliege, du Täubchen. So fliege. Doch treib.
Wir werden ihn hegen. Und lieben als Eigen.
Sodass diese Liebe. Vielleicht auch erschien.
Wir werden ihn kosen. Die Wärme so zeigen.
Und tanzen wir heute. So schließlich für ihn.“
Erhob nun das Täubchen das Flügelgefieder.
Und gurrte zum Abschied dem Jungen den Ton.
Dann flog sie erneut. Und flog sie schon wieder.
Verschwand sie im Himmel. So flog sie dann schon.
Die Länder. Erstarrten. Und lagen recht leise.
Und glichen die Straßen und Wege dem Eis.
Wie Spiegel so glänzten, die Flüsse im Eise.
Und glomm in dem Monde der Taue so weiß.
Die Havel gefror. – Und wurd‘ zu dem Bilde.
Als stände ein Hüne. Der säte den Schnee.
Der Väterchen Froste. Er kam wohl mit Milde.
Und tanzte Snegurka den Reigen am See.
So flog dieses Täubchen. Und küsste die Ferne.
So kam sie zum Himmel. Und rührte ihn nah.
Wie säumten und strahlten. Bei Nacht diese Sterne.
Sie flog dann so nieder. – Und war sie dann da.
Sie blickte sich um. – Das Haus. Die Terrasse.
Erblickte sie schließlich den Manne. Der saß.
Die Finger. Sie krallten. Noch immer die Tasse.
Und atmete schmerzlich. Die Augen recht blass.
Sie lief dann zu ihm. Und sprang auf die Glieder.
Sie lief dann so weiter. Und hing dann am Knie.
Erkannte der Kranke das Täubchen nun wieder.
Er küsste und küsste. – Und küsste dann sie.
„Du Taube Golubka. Ich liebe dich, Mädchen.“
Begann er zu reden. Die Stimme. Sie brach.
„Ich glaube, ich sterben. Es reißet mein Fädchen.
Das Fädchen im Herzen. Es hält mich so schwach.
Ich denke, ich sterbe. – Wir kennen das Leide.
Du bist meine Tochter. Und dies hier. Dein Heim.
Ich weiß, dass wir sterben. Wir sterben so beide.
So schrieb ich für dich. – Für dich diesen Reim:
Ich sitz‘ wie im Kerker. Und seh‘ bloß die Stäbe.
So ist das Verließe. – Verlassen und feucht.
Ich glaube, so scheint es. Dass gar nichts mehr gäbe.
Sodass nicht mal Lichte durchs Fenster mir scheucht.
Ich seh‘ keine Lichter. – Ich seh‘ sie nicht blitzen.
Sodass auch die Hoffnung. Ich denk‘ auch verstarb.
Es scheint, dass Gefühle. Mich einfach bloß ritzen.
So bliebt doch die Zelle. – Inzwischen mein Grab.
Ich sitze und warte. – Und weint mir die Zelle.
Und schnüren und schließen die Wände das Sein.
Ich stütze mein Kopfe vielleicht auf der Elle.
Doch lässt mich mein Sohne wie immer allein.
Wie scheinen die Welten. Von Grunde aus traurig.
Und regt sich die Kette. Die mich bloß so hält.
Die Glieder des Eises. Erklirren recht schaurig.
Ich fühl‘ mich alleine. – Ich kenn‘ keine Welt.
Ich wollte bloß Liebe. Und Hoffnung erbringen.
Selbst, wenn ich auch klage. Die Kette erregt.
Durchdringt das Verließe geschwinde das Klingen.
Sodass doch mein Herze durch Kummer beschlägt.
Und wenn ich mich hebe. – Die Eisen sich regen.
Ich sitze alleine. – Recht still im Gemach.
Sie leisten mir Beistand. Wenn Ketten bewegen.
Und hält das Geklirre mich schließlich so wach.
Mich tröstet das Rasseln. Ich schwöre bei Dingen.
Denn füllt sie die Leere. Die Leere im Raum.
Ich fühl‘ mich gefangen. Vielleicht im Geringen.
Denn hatte ich wahrlich. Am Ende den Traum.
Nun sitz‘ ich im Kerker. – Und sehe bloß Gatter.
Ich sitze alleine. – Alleine im Fach.
Ich glaube, ich bleibe. Der sterbende Vater.
Und sterbe ich wirklich. Vielleicht im Gemach.
So gibst du mein Täubchen. Das ganze Bedenken.
So kamst du zu mir. Mein Mädchen. Vertraut.
Ich will dir die Liebe. Und alles bloß schenken.
Sodass selbst der Monde zu dir auch so schaut.
Du rufst und du liebst mich. Ich tue das Gleiche.
Und hör‘ ich tagtäglich dein mahnendes Wort.
Sodass nun mein Leben das Sterben beschleiche.
Ich werde heut‘ sterben. Und zieh‘ ich dann fort.
Ich weiß, dass ich sterbe. Und such‘ ich die Weiten.
Und flieg‘ ich zum Meere. Dem Äther. Was glich.
Dahin, wo es gibt. – Kein Fürchten vor Zeiten.
Dorthin, wo wir leben. Du Täubchen. Und ich…“
Erstarrte der Manne. – Was ihn auch recht hemmte.
Die Lunge, sie knappte. – Ihm wurde recht kühl.
Sodass auch sein Herze. Vielleicht auch verklemmte.
So war doch sein Sterben. Weit aus kein Gefühl.
Die Augen verschwammen gehäuft in den Tränen.
Die sahen erschrocken doch träge das Licht.
Begann er den Kopfe in Angst schier zu lehnen.
Und deckte mit Händen aus Furcht sein Gesicht.
Begann er zu schluchzen und denken und sinnen.
Begann er zu weinen. – Das Täubchen erschrak.
Die Augen, sie zeigten. – Sein Leben von innen.
So sah er sein Leben. – Komplett an dem Tag.
Er sah seine Kindheit komplett nun verfliegen.
Die Tage der Schule. – Die Tage danach.
Er sah auch wie Sowjets die Nazis besiegen.
So viele Gedanken. – Sie trieben nun wach.
Er sah auch das Spielen gewiss in Ruinen.
Das Toben. Die Freude. Mit Freunden so sehr.
Sodass auch die Tage recht endlos erschienen.
So glichen die Trümmer vielleicht einem Meer.
Dann sprangen die Bilder und jene Sequenzen.
Er sah dann die Liebe der Jugend erpicht.
Er sah auch die Augen des Mädchens so glänzen.
Wie wehten die Haare. Gar übers Gesicht.
Das Bilde dann sprang. Erschien dann die Szene.
In welcher er lag, dann mit ihr dann im Bett.
Bei diesem Betrachten, da fiel ihm die Träne.
Und schluchzte der Manne mit Schame: „Jeanette…“
Es sprang dann die Szene. Es glich einem Pranger.
Nun sah er das wieder, was er hat, verdrängt.
Das Mädchen, sie wurde durch ihn leider schwanger.
So lag sie am Boden. – Den Kopfe gesenkt.
Er sah dann am Boden paar Dosen. – Tabletten.
Gar welche das Mädchen aus Kummer so nahm.
Er wusste, man konnte sie wirklich nicht retten.
So wurde sein Herze beim Schauen so klamm.
Auch lag dann daneben im Blut wohl das Kinde.
Verbannt noch die Schnure die Mutter mit Kind.
Der Manne erstarrte. – Und weinte sich blinde.
Und tobte und weinte. – Und weinte geschwind.
Sie hat sich den Bauche mit Klingen zerschnitten.
Und legte sie schließlich das Kinde dann frei.
Sie ließ es dann sterben. – So lag es inmitten.
Sie fing dann zu bluten. Und starb dann dabei.
Sie schlitzte den Bauche. Mithilfe der Schneide.
Sodass sie das Kinde dadurch auch abtrieb.
Verstarben am Tage. So schließlich die beide.
Sodass doch dem Manne der Kummer nur blieb.
Er murmelte leise: „Wer mag mir vergeben?
Ich war bloß ein Junge. So jung und verliebt…
Ich nahm doch den beiden durch Einfalt das Leben.
So gibt es doch keinen. Der mir auch vergibt.“
Dann sah er die Bilder. Die wieder verstrichen.
Er sah dann den Vater des Mädchens am Grab.
Der Vater des Mädchen. Er war wie erblichen.
Und stütze sich schmerzlich am Baume so ab.
Der Vater erblickte den Jungen behände.
Er schrie dann ihm Zorne und Drange ihn an.
„Du wirst das nun büßen. Ich setze dein Ende!
Ich werde sie rächen. Was hast du getan?“
Der Vater erhob sich vom Grabe benommen.
Er zog dann sein Messer. Umgriff er den Stahl.
„Nun ist doch die Stunde. Die letzte gekommen.
Ich werde dich richten. – Und schänden zumal.“
Begann er das Messer bedrohlich zu schwingen.
Und traf er den Jungen anschließend erpicht.
Die Klinge erschien die Haut zu durchdringen.
Sie schenkte ihm Wunden. Genau im Gesicht.
Umgriff dann der Junge die Arme im Streite.
Er griff dann das Messer, das warf er zum Grund.
Dann trat er den Vater aus Wut schlicht zu Seite.
Als schmeckte er Blute. Das Seine im Mund.
Dann trat er den Vater, der fiel auf den Steine.
Sodass dann der Vater den Schädel sich brach.
So stand dann der Junge im Zorne. – Alleine.
Und trat aus Vorsicht im Grunde noch nach…
Der Sterbende weinte. Was er grad‘ erlebte.
„Vergebt mir vergebens. Ich bin nicht mehr rein.“
Sein Herze, es schmerzte, sodass es nun bebte.
„Mich reißen die Sünden. Ich schwöre nun ein.
Es gibt doch, ich denke. Kein Leben für immer.
Die Sünde bleibt Sünde. Und Lasten die Last.
Ich sterbe bei Sternen. Bei deren Geschimmer.
Und hab‘ ich das Leben. So gründlich verpasst.
Ich war bloß ein Junge, der so viel zerstörte.
Drei Leben am Ende. Ich frag‘ mich wozu?
So gibt es doch niemand, der Bitten erhörte.
Wer gab mir schon Frieden? Ich denke nur du.
Ich hatte kein Rechte zum Leben. Ich schwöre.
Doch warst du, du Täubchen für immer mir treu.
Ich weiß, dass ich Leben und Leben zerstöre.
Sodass ich auch lebte. Im Grunde auch scheu.
Ich liebte dich Täubchen. Ich kenne das Dringen.
Ich wusste vom Sterben. Was mich so verstößt.
Ich wollte dir Liebe und Heimat erbringen.
Doch hat mich das Sehen der Wahrheit gelöst.
Ich wusste vom Sterben, was alle wir wissen.
Auch, wenn ich das Ganze. Ich denke verlor.
Ich werde dem Täubchen. So einfach entrissen.
Ich höre das Weinen. Und Girren im Ohr.
Ich liebte dich Täubchen. Ich kenne das Weichen.
Und weine nicht, Engel, ich kehr‘ bald zurück.
Das Sterben bringt Neuheit. Ich sehe das Zeichen.
Und, dass ich dich kannte. Das nenne ich Glück.
Ich liebte dich Täubchen. Du Süße. Mein Lichte.
Du bist dieses Mädchen, das ich schon vermiss‘.
Ich sehe die Tränen. – In deinem Gesichte.
So seh‘ ich mein Ende. Inzwischen gewiss.
So leb‘ wohl mein Täubchen. Ich spüre die Enge.
Ich weiß nun, mein Mädchen. Es ist nun so weit.
Erblassen die Lichter. – Verklingen die Klänge.
Leb‘ wohl nun mein Täubchen. Ich liebte die Zeit…“
Erstarrte der Manne. – Die Augen sich schlossen.
Die Lunge verharrte. Das Herz sich verlor.
So hat auch das Täubchen die Tränen vergossen.
Und stieg dann vor Kummer den Himmel empor.
Sie wollte die Welten im Grund‘ auch verlassen.
Sie wollte ihn suchen. Den Mann, der erblich.
Das Täubchen, es flog. Die Welten verblassen.
Sodass doch das Suchen der Liebe auch glich.
Verschwanden im Nebel inzwischen die Wege.
Verschwanden die Straßen. Mit Kirchen so samt.
So flog nun das Täubchen. Bereits mittels Träge.
Sodass auch der Monde recht grüßend entflammt.
Versanken die Wälder noch müder der Kälte.
Sie kannten kein Troste. Und auch keinen Dank.
Erweichte vermindert im Kummer die Welte.
Sodass sie auch glichen. Recht bieder und krank.
Als würden sie sterben. Vielleicht auch erfrieren.
Versanken die Flüsse. Wie schwieg nun das Ried.
Die Nixen in Mooren. – Sie suchten nach Tieren.
Und tränkten in Wässern. Bis fällt dann das Lid.
Verstummten die Weiden. Es lag bloß die Stille.
So friedvoll erschien doch im Frost diese Nacht.
Und glänzte vom Täubchen vielleicht die Pupille.
Wenn hat sich am Ende. – Dem Meister bedacht.
Sie flog dann durch Kälte. Durch diese recht leise.
Und sah sie nun Potsdam im Schwirren erneut.
So zog sie durch Kühle und Wolken die Kreise.
Denn lagen Gedanken wie Lichter verstreut.
So flog doch das Täubchen. Und wollte gedenken.
Sie suchte den Geiste des Mannes im Trieb.
Sie wollte die Ehre und Beistand ihm schenken.
Sie hatte den Manne vom Herzen ganz lieb.
Sie kreiste und suchte. Und flog dann im Bogen.
Sie suchte im Himmel nach ihm und an Land.
Sie misste ihn wirklich. – Er war ihr entzogen.
Sie suchte die Seele. – Den Geist sie nicht fand.
Begann sich in Trauer das Täubchen zu wenden.
Denn war der Verluste dem Herzen zu viel.
Sie wollte das Leben. – Das Eigen beenden.
So wurde das Sterben des Täubchens das Ziel.
Erstarrte der Vogel aus Trauer die Glieder.
Er ließ sich dann fallen. Und fiel dann so tief.
Er fiel dann und fiel. Dem Boden so nieder.
Sodass er als letztes den Namen schrill rief.
Der Vogel, er ließ sich. Getrieben so fallen.
So schloss der die Augen. Und spürte den Wind.
Die Schreie des Vogels erschienen verhallen.
Er ließ sich dann fallen. Und tragen. So lind.
Das Täubchen, es fiel wohl im Peine zur Erde.
Sodass nun der Winde. – Begann er den Lauf.
Durchzog nun den Vogel die letzte Gebärde.
Und schlug dann die Taube am Boden so auf.
II
Nicht weit von dem Orte. Die Linden sich fanden.
Und hat sich der Nebel sich regend gelegt.
Sodass auch die Welten mit Gott sich verbanden.
Sodass er sie pflegte und schütze und hegt.
Umarmten die Straßen Laternen. – Girlanden.
Und hingen die Straßen im Schauspiel erneut.
Die Hecken verschliefen, die Straßen umranden.
Sodass sich der Schatten vom Lichte auch scheut.
Vertrieb sich dann alles. – Und ragten die Hecken.
Die Buchen verschliefen. Die Eichen im Schein.
Als wollte das Treiben der Nacht sich verstecken.
Und ließ dann der Winde das Licht auch allein.
Auch standen recht träge. Die Häuser und Gassen.
Und neigten sich Häuser aus Ziegeln zur Nacht.
Die Höfe und Straßen. – Sie schlichen verlassen.
Denn wurden in Kirchen Gebete erdacht.
Wie stand dann im Trüben die Siedlung der Reußen.
Erbaut und geschlagen aus Stämmen vom Holz.
So standen die Häuser in Potsdam. In Preußen.
Und wehten dort Flaggen der Russen mit Stolz.
So zeigte das Weiße der Flagge den Glauben.
Den Mut und den Edel. Das Land, das es trägt.
So mag auch das Weiße das Gut auch erlauben.
So zeigt auch das Weiße, die Schönheit, die hegt.
Das Weiße beachtet. Bedenkt auch die Länder.
Die Länder im Winter. Der Frost auch begann.
Auch trugen die Weiten in Russland Gewänder.
Und spannte der Winter sein Trojka-Gespann.
Und zog dann das Blaue der Flagge hernieder.
So steht es für Flüsse. – Für Newa. Und Swir.
Für Wolga und Dnepr. – Fürs Lenagefieder.
Wie treiben die Flüsse durch Russland so schier.
So steht auch das Blaue fürs ehrliche Hoffen.
Für Sanftmut und Treue. Und Reinheit geweiht.
So ist auch durchs Blaue der Frieden betroffen.
Und steht auch das Blaue als Sinnbild der Zeit.
Und steht doch dem Blauen das Rot gegenüber.
Es zeichnet die Liebe. – Den Kreml. Das Blut.
So wehten die Flaggen. Der Russenlandenverüber.
Und steht auch das Rote für Heimat und Glut.
Auch steht doch das Rote der Flagge. Der Streifen.
Für alle, die starben für Russland im Krieg.
So sieht man den Adler den Zepter umgreifen.
Und steht auch das Rote für jeglichen Sieg.
Umklammert der Adler den Apfel mit Klauen.
Und trägt er drei Kronen. Die Bruste ein Schild.
So malt doch das Wappen vielleicht ein Vertrauen.
Wie tötet der Georg den Drachen im Bild.
So hingen die Wappen auf Fahnen im Glanze.
Die wehenden Flaggen. Sie trieben im Wind.
Ersteche der Georg den Winter trotz Lanze.
So säumte und raunte die Kälte hier blind.
Verschlug auch der Winter gewiss die Exklave.
Versank auch im Walde die Kirche nicht weit.
Dort kniete ein Junge. Sprach zitternd die Ave.
Vergaß er beim Beten und Hoffen die Zeit.
Umgab auch die Kirche vielleicht die Lisene.
Der Fries und die Kanten umgaben sie zart.
Tamboure und Kuppeln als Sinnbild der Träne.
Umgaben die Kirche, in der man erstarrt.
Südöstlich gelegen. – Dort standen Apsiden.
Ikonen. Sie hingen. Und säumten die Wand.
Verweinten im Inneren der Kirche Iriden.
Und predigten leise. – Und lobten das Land.
Auch stand ein Altare inmitten vom Raume.
Und hingen darüber die Engel aus Gold.
Die Teppiche lagen. Gewoben im Saume.
Und malte die Kuppel das Himmlische hold.
Die Wände, sie trugen. Ikonen und Bilder.
Die Fresken, sie zeigten. Den Glauben im Sinn.
Der Junge, er neigte und neigte sich milder.
Und sprach er die Wörter auf Russisch dahin.
„Im Namen des Vaters. Des Sohnes. Im Geiste.
Du Herr Jesus Christus. Erbarme dich mir.
Du Sohne des Gottes. Du kennst doch das meiste.
Ich fürchte mich wahrlich. Ich Vater verlier‘.
Erbarme dich meiner. Und schütze vorm Bösen.
Nimm‘ auch von Seelen die Sünden. Die Last.
Herr Jesus Christus. – Nur du kannst erlösen.
So schenke uns Treuen und Gläubern die Rast.
So schenke uns Frieden und leite uns weise.
Und fülle die Herzen mit Frieden und Dank.
Doch enger und enger. Umschließen die Kreise.
Denn wurde mein Vater inzwischen nun krank.
Erkrankte er sichtlich an Gichte und Schmerzen.
Und quält ihn auch leider sein Herze. Demenz.
Ich bete und singe. – Und zünde die Kerzen.
So mag er verbringen den Winter. Und Lenz.
Ich fürchte mich wahrlich. Von seinem Versterben.
Ich schlafe und träume und fürchte den Tod.
Ich sehe im Schlafe die Träume mich färben.
Die färben mein Herze mit Kummer und Not.
Ich fürchte mich wahrlich. Zu sehen das Bette.
Das Bette des Todes. Auf welchem er liegt.
Im Namen des Vaters. Des Sohnes. – Errette!
Errette uns beide. – Das Sterben hier wiegt.
Ich fürchte mich wirklich. Ich kenne das Drängen.
Ich bitte um Hilfe. Wie treibt mich die Not.
Man müsste das Sterben vielleicht so bezwängen.
Ansonsten verfallen wir beide dem Tod.
Ich fürchte das Sterben viel mehr als das Leben.
Und wird er versterben. Dann sterbe ich nach.
So mag ich aus Liebe den Geist auch erheben.
Denn halten die Sorgen und Ängste mich wach.
Und sollte kein Sohne die Sorgen auch wagen.
Und sollte kein Sohne das Sterben auch sehen.
Kein Sohne, er sollte den Vater nicht tragen.
Zu tragen zum Grabe. Was wir nicht verstehen.
Ich fürchte mich wirklich. Du Sohn aller Söhne.
Ich bitte um Hoffnung. Um Heilung. Um Kraft.
Ich schätze die Bibel. Die Slawen. Das Schöne.
Ich schätze das alles. – Was du hast, erschafft.
Im Namen des Vaters. Des Sohnes. Im Geiste.
Ich spreche das Beten. Du hörst mein Gebet.
Du Sohne des Gottes. Du kennst doch das meiste.
Ich bitte um Hilfe. – Sonst ist das zu spät.“
Erhob sich der Junge und stand er dann wieder.
Er legte drei Finger zusammen und fuhr.
Zuerst von der Stirne zur Bruste dann nieder.
Berührte die Schulter. Die Rechte erst nur.
Berührte er jedoch die Schulter. Die Linke.
Vollbrachte der Junge nun schließlich den Brauch.
Als, ob er in Tränen und Kummer versinke.
So stöhnte und seufzte. Und ächzte er auch.
Er lief dann im Raume und sah die Ikone.
Verneigte sich lieblich und küsste sie ein.
Und ringte um Worte im quälenden Tone.
Die glänzte durch Kerzen. Im Feuer im Schein.
Er sprach dann auf Russisch. Die heilige Ave.
Und küssten die Tränen das Bilde erneut.
Erhob sich in Zähren der glaubende Slawe.
Er fühlte sich leichter. Er hat nichts bereut.
Er lief dann zum Stande. – Und zündete Kerzen.
Die Kerzen, sie schmolzen beim Halten der Hand.
Er sprach dann die Wünsche, die hingen im Herzen.
Und sah auch das Schmelzen des Wachses im Brand.
So sah er das Glimmen und Schmelzen vom Wachse.
Und brannte und brannte so lieblich der Docht.
Sie tanzten. – Bestanden die Dochte aus Flachse.
Als hätt‘ man das Weinen der Kerzen erpocht.
Versanken im Ruße die Wände und Bilder.
Und roch auch so heilig der Raume nach Rauch.
Nach Harze und Blumen. Nach Blüten so milder.
Verließ dann nach Stunden die Kirche er auch.
Wie sah er im Lichte der Sterne die Wege.
Wie wogen die Linden und Fichten sie ein.
Die Blätter, sie trieben und fielen so träge.
Und ließen den Jungen im Grunde allein.
Wie zog und auch klirrte die Kälte beschritten.
Und neigten sich Zweige im Froste verwegt.
So lief nun der Junge mit tosenden Schritten.
Da ihn doch die Liebe zum Mädchen so hegt.
Er dachte an Liebe. Das Mädchen der Träume.
Da er sie im Herzen. Recht misslich vermisst.
Dort wachten verschwiegen im Grunde die Bäume.
Und gaben ihm Schutze. Dem wahrlichen Christ.
Die Lichter der Straßen. Sie schienen zu malen.
Als wäre das Tinte. Die sich hier auch löst.
Als, ob hier Gemälde durch Regen zerfallen.
Als, ob er nun die Kälte. Das Schönste verstößt.
Es war, als ob seh‘ man bloß Kälte und Stäbe.
Als wären die Welten gefangen im Zelt.
Als, ob es die Welten der Menschen nie gäbe.
Und hätten die Menschen vielleicht keine Welt.
So lief nun der Junge. Alleine. Durch Straßen.
So leistete Beistand. Dem Jungen. Der Wind.
Die Flieder in Gärten. Sie schienen verblassen.
Sie säumten und küssten. Den Jungen so lind.
Er bog dann in Straßen. – Und weitere Seiten.
Und waren die Wege. Im Nebel auch trist.
So lief er und lief. – Und wollte bestreiten.
Er dachte ans Mädchen. Der liebende Christ.
Er dachte ans Mädchen, die seinige Liebe.
Er dachte an Wärme. Die sie ihm auch gab.
Er dachte ans Herze. Das ihm auch verbliebe.
Und stützten Gedanken den Jungen auch ab.
So lief nun der Junge. Und wogen die Eichen.
Sie gaben im Beistand. Der ihn auch verschlug.
Die Himmel verfielen dem heiligen Zeichen.
Sodass auch verfielen die Zeiten im Flug.
So träumte der Junge vom lieblichen Bilde.
Von wärmenden Hände. Vom süßlichen Duft.
Von Weihrauch im Zimmer mit östlicher Milde.
Doch stach seine Lunge die frostige Luft.
Und rangen im Herzen die Zweifel, so brausend.
Er fand sich am Brunnen. Das Wasser gefror.
Verschlungen die Sorgen. Die Sorgen, die tausend.
Sodass er sich scheinbar im Leben verlor.
Er schaute und blickte. – Verloren ins Becken.
Dort glänzten die Sterne. Gespiegelt vom Eis.
Die Augen, sie wollten. Sich scheinbar verstecken.
Doch gaben die Sorgen und Ängste wohl preis.
Der Junge, er schaute und schaute. So weise.
Und zogen die Sterne im Schweigen ein Kreis.
Er flehte und seufzte. Und raunte dann leise.
Er hoffte auf Gnade. – Die Antwort so leis‘.
„Was ist schon bloß Liebe? Wie tröstet der Winde.
Ein Funken, der glühte. Der bald auch vergeht.
Ist Liebe ein Blühen. – Ein Welken der Linde?
So ist doch die Liebe. Die niemand versteht.“
So führte der Wege. – Die Kälte beschritten.
Und leiteten Schritte zum Kummer der Welt.
Die Bäume verschliefen und waren verstritten.
Da nicht mal die Wärme die Bäume erhält.
Auch lag nun der Parke im Treiben verborgen.
Sodass auch der Pfade im Abend versank.
Der Efeu, er suchte im Abend den Morgen.
Und sprachen die Farne die Grüße. Den Dank.
Wie trugen die Wege. Die schieren. Gewänder.
Die Wiesen verschliefen. Im jeglichen Tau.
Behüteten Nebel. – Die Teiche und Länder.
Als trieb nun durch Potsdam die weißliche Frau.
Und eilte er weiter durch Wege und Bogen.
Vorbei an den Straßen und Höfen. Der Zeit.
Die Kälte des Abends. – Sie hätte belogen.
Wie brannte die Lunge. Das Herze durch Leid.
Er dachte beim Laufen ans Mädchen. Das bliebe.
Er fühlte beim Laufen. Im Herzen den Drang.
Es trieb ihn durch Potsdam geschwinde die Liebe.
So war das die Liebe. Die ihn auch verschlang.
Vom 27.11.2024 bis zum 24.12.2024 geschrieben
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Nyctophile Lieder
Nyctophile Lieder
ZUEIGNUNG
Ich liebe die Nächte. – Ich denke für immer.
Die Stunden. Die Sterne. Den Mond. Das Gebild.
Ich lebe beim Schreiben am Abend im Zimmer.
Sodass auch die Schwärze. Ich denke mich stillt.
Ich liebe die Nächte. – Rund wieder und wieder.
So war auch mein Leben der Nacht wie bestrebt.
Ich schenke euch Menschen im Grunde die Lieder.
Die schrieb ich und hab‘ ich im Abend gelebt.
27.12.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Nyctophile Lieder
I – DAS ERSTE LIED: EIN NACHTLEBEN
Die Eiben verschliefen, der Tage muss scheiden.
Sodass auch der Morgen der Nachte entschlief.
Verhingen im Nebel am Fluss auch die Weiden.
Und hingen die Ruten im Wasser recht tief.
Ich glaube, ich musste. Das Schönste vermeiden.
Und rührten mich Tränen. Die Tränen am Ort.
Mich rührten am Ufer die hängenden Weiden.
Doch zog ich vom Strande. Ich fürchte nun fort.
Die Eiben verschliefen, die Schwärze gedachte.
Und komm‘ nun, du Träne. Nun glänze hervor.
Ich sterbe am Tage. – Doch lebe bei Nachte.
Durch Weiden und Binsen. Der Winde im Rohr.
Die Eiben verschliefen, der Tage muss reifen.
Wie strahlte der Abend. – Die Kühle auch mild.
Versuche ich letztlich den Stern zu umgreifen.
Doch strahlt dann für immer im Himmel ein Bild.
27.12.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Nyctophile Lieder
II – DAS ZWEITE LIED: DAS NACHTVERTRAUTE
So wird mir der Abend im Herzen vertrauter.
Ich höre kein Schweigen. Und auch keinen Laut.
Verweint doch der Himmel. Der Sternenbeklauter.
Umarmt bloß die Kühle und Kälte die Haut…
So wird es auch trübe. Die Glocken verschlagen.
Beziehen mich Regen. – Die Regen mich bald.
Ich dachte, ich werde die Liebe auch tragen.
Doch starb sie im Herzen. Im Grunde. Im Wald.
Verstarben die Himmel, erloschen die Schimmer.
Sodass ich durch Liebe. – Ich denke vergeh‘.
Der Abend, er lächelt. Ich denke wohl nimmer.
So lass‘ ich mein Herze. – Ich denke am See.
27.12.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Nyctophile Lieder
III – DAS DRITTE LIED: DAS NATTERNKOPFBLAU
Verstarben die Himmel, der Nacht sie verfielen.
Und irgendwie alles, verstarb‘ auch genau.
Auch, wenn wir im Abend die Herzen verlieren.
Dann tröstet der Flusse. – Im Natternkopfblau.
Wie führt mich die Stille und zeigt ein Gestade.
Und liegt dann das Ufer bedeckt in dem Schein.
Wie bittet das Herze. – Das Mädchen um Gnade.
Doch reißt dann die Liebe den Jungen auch ein.
Verstarben die Tage, der Nacht sie verfielen.
Und irgendwie alles, verstarb‘ auch genau.
Wie wollte der Abend das Herz mir verspielen.
Doch tröstet mich innig. – Das Natternkopfblau.
27.12.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Nyctophile Lieder
IV – DAS VIERTE LIED: ABENDIRIDEN
Ich kenne den Abend, doch innig kein Frieden.
Ich kenne die Liebe. Doch leider kein Wert.
Wie seh‘ ich durch Augen die Abendiriden.
Und, dass doch mein Herze den Abend begehrt.
Ich möchte mehr Nächte. Als Tage und Wochen.
Sodass mich der Nebel in Weiten auch zieht.
Auch, wenn bloß die Herzen im Abend verpochen.
So weiß ich, dass Liebe im Leben verflieht.
Ich kenne den Abend, die Nächte uns schwächen.
So wird auch der Tage. Ich denke auch bleich.
Auch, wenn uns die Wogen der Stürme zerbrechen; –
Dann misse ich letztlich. Denn tobenden Teich.
27.12.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Nyctophile Lieder
V – DAS FÜNFTE LIED: DER NACHTSÄER
Umhüllte der Teiche bei Nacht auch die Rose.
Umarmte der Monde die Wässer im Glanz.
Wie wog dann die Weide am Ufer recht lose.
So schenkte der Winde dem Schilfe den Kranz.
Und hob dann der Morgen im Grunde die Flügel.
Und stieg dann nun dieser. – Ich denke empor.
Verließ auch die Nachte. – Ich fürchte die Hügel.
Doch träumte von Nächten und Nächten das Rohr.
So kam nun der Morgen. – Und brachte bloß Nähe.
Sodass sich das Schauen und Blicken verweht.
Wie kreischte beim Schwinden der Nachte die Krähe.
Und schrie dann aus Kummer: „Der Abend vergeht.“
Ich wünschte, ich könnte die Nächte selbst säen.
Sie formen und bilden. – Damit nichts vergeht.
Dann könnten die Stunden die Nacht nicht verwehen.
Denn bleiben die Nächte mein Daseinsgebet.
27.12.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Bosnische Lilie
Bosnische Lilie
Amina als Zeichen der Freundschaft gewidmet.
Was ist schon die Freundschaft gewiss ohne Segen?
Was ist schon ein Leben? – Vielleicht ohne Sinn?
So möchte ich alles. – Was war auch. – Belegen.
Die Freundschaft ist alles. – Viel mehr ein Beginn.
Was ist schon die Güte? Vielleicht ein Geständnis.
Und fließt auch die Drina. – Am Ufer entlang.
Und wiegt schon zur Stunde. Ein Abendempfängnis.
Wie neigt sich im Grunde der Abend im Dank.
Verfließt und verfliegt. Der Schein wie Burgunder.
Sodass auch das Leuchten im Himmel versinkt.
Erscheint wohl das Schwellen des Flusses so wunder.
Sodass auch sein Rauschen die Nächte umschlingt.
Umschlingt er die Felsen. – Die Bosnischgeweihten.
Sodass auch die Stunde. – Der Zeiten hier wacht.
Wie scheint dann der Winde. Die Wellen begleiten.
Und ruht selbst der Efeu. – Bedeckt ihn die Nacht.
Auch tragen die Haine. – Die Bernsteingewänder.
Versinkt und verfärbt. – Die Sonne sie wohl.
Und fließt auch die Drina. Und küsst sie die Länder.
Und färbt sich es gelblich. – Das kühle Petrol.
Auch stehen die Bäume. Verschlagen wie Kupfer.
Die Äste, sie glänzen. – Die Blätter im Schein.
– Besät auch das Sinken der Sonne die Tupfer.
Und lässt sie den Monde im Himmel allein.
Wie sitzt nun ein Täubchen. Verborgen im Flieder.
Und regt dann ihr Köpfchen. Sodass sie verschaut.
Dann hebt sie die Flügel. Und streicht ihr Gefieder.
Die Augen. Sie blicken. – Und glänzen vertraut.
Wie ruft sie: – „Amina. Amina. Amina.“
Versinkt auch der Sommer. Man hört die Zikaden.
Das Surren. Das Zirpen. Das liebliche Lied.
Als ob sie nun singen. – Vielleicht die Balladen.
Als ob sie nun singen. Der Mondschein bezieht.
Und blickt dann das Täubchen. Die Federn erhoben.
Sodass auch ihr Gurren. Die Stunden durchdringt.
Beginnt auch der Flusse. – Im Abend zu toben.
Sodass auch das Gurren. Wohl scheinbar ertrinkt.
Denn ruft sie: – „Amina. Amina. Amina.“
Erhebt sich das Täubchen. Vom Aste. Dem Bleiben.
Und fliegt sie zum Ufer. – Und schaut dann gewandt.
Wie sehen die Augen die Blüten schlicht treiben.
Und zieht dann das Täubchen die Blume ans Land.
Umgreift dann der Schnabel. Die gelblichgesponnen.
Und greift sie die Blume. – Im Grunde verwegt.
Als hätte die Liebe. – Der Liebsten begonnen.
Sodass nun das Täubchen. – Die Lilie trägt.
Was ist schon die Sehnsucht? Vielleicht ein Bekenntnis.
Und fließt auch die Drina. – Am Ufer entlang.
Wie schläft schon die Stunde. – Im Abendgeständnis.
Wie neigt sich im Grunde der Abend im Dank.
Verschließt und vergisst. – Der Tage die Sünden.
Sodass auch das Treiben den Himmel verschlägt.
So kann man die Freundschaft mit Treue begründen?
Denn hast du mich Mädchen. Ich denke, geprägt.
Umschlingt nun der Abend. So Bosnisch getrieben.
Sodass auch die Stunde. – Das Leben hier denkt.
Wie scheint sich der Tage. Bei Nacht zu verlieben.
Sodass doch das Täubchen die Blume dir schenkt.
Und ruft sie: – „Amina. Amina. Amina.“
So nimm‘ doch die Blume. Das Sinnbild. Das Deine.
Du bist wohl die Blume. Das Golde für mich.
Sie zeigt auch dein Herze. – Die Seele. Die Reine.
So ist das die Blume. – Die Gelbe. Für dich.
So nimm‘ doch die Blume. – Die Bosnischerträumte.
Was wohl auch das Leben. Der Freundschaft beschrieb.
Sodass sich der Flieder. Recht müde. Schlicht bäumte.
Und hab‘ ich dich Mädchen. Ich beichte doch lieb.
So ruft dann das Täubchen: – „Cijenim te, anđele. Amina“…
19.01.2025
Berlin Biesdorf-Süd
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Cijenim te, anđele = Ich schätze dich, Engel